Bore-out: Langeweile im Job blockiert den Flow zum Glück

Bore-out: Langeweile im Job blockiert den Flow zum Glück

Wer im Job dauerhaft unter Langeweile leidet, verliert den Zugang zu einer nachhaltigen Zufriedenheit im Arbeitsleben. Die nämlich entsteht durch den erfolgreichen Einsatz und die permanente Weiterentwicklung der höchsten persönlichen Begabung. Deshalb ist eine Tätigkeit, die die stärksten Talente nicht zur Entfaltung bringt, ein großes Unglück für alle Beteiligten: für den Gelangweilten, weil er durch die Verkümmerung seiner Stärken Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit verliert; für das Unternehmen, weil der Mitarbeitereinsatz uneffizient ist. Den Wandel zum Besseren müssen beide gemeinsam angehen – oder sich trennen.

Das Jammern über Langeweile im Job ist im sozialen Umfeld der meisten Betroffenen nicht besonders akzeptiert oder wird nicht ernst genommen. Denn das Bewusstsein für negative Job-Effekte ist vom genauen Gegenteil geprägt: dem Burn-out-Syndrom als Ergebnis von Überforderung durch zu viel Arbeit. Intellektuelle Unterforderung und Müßiggang am Arbeitsplatz werden dagegen eher als Rand- oder Luxusproblem abgetan.

Tatsächlich handelt es sich dabei längst um ein großflächiges Problem: die Studie „Randstadt Employer Brand Reserach“ (1) ermittelte, dass 31 % der Befragten wegen Unterforderung ihren Job kündigen wollten – oft trotz guter Bezahlung und hoher Beschäftigungssicherheit. Dieses „gut bezahlte Nichtstun in Sicherheit“ (2) führt dauerhaft zu denselben körperlichen und psychischen Beschwerden wie ständige Überlastung. Der Grund dafür liegt in der verheerenden Wirkung auf den Flow zum Glück: er wird schlichtweg lahmgelegt.

Eine der zentralen Erkenntnisse der Glücksforschung der Positiven Psychologie liegt in der Bedeutung des sogenannten Flow für die persönliche Zufriedenheit. Er entsteht, wenn jemand vollständig in einem anspruchsvollen Tun aufgeht, das ihm Freude macht; er setzt dabei seine größten Talente ein, entwickelt sie weiter und entfaltet so eine optimale Leistungsfähigkeit. Am Ende dieses Prozesses empfindet der Akteur echte und tiefe Zufriedenheit. Flow ist die Lebenskunst glücklicher Menschen.

Dieser Kreislauf muss immer wieder neu befeuert werden, und zwar durch anspruchsvolle Aufgaben und Herausforderungen, die erfolgreich – oft unter großen Opfern und Grenzgängen – gemeistert werden. Das größte Glück entsteht, wenn dabei etwas geschaffen wird, das man sich vorher gar nicht zugetraut hat.

Wer diesen Flow im Job nicht mehr erleben kann, muss aktiv werden. Denn die passive Duldung von Langeweile und Unterforderung führt nicht nur zu psychosomatischen Gefährdungen, sondern bedroht die eigenen Fähigkeiten und Potenziale, weil sie verkümmern, wenn sie dauerhaft nicht zum Einsatz kommen. Es ist also auch für die eigene Zukunftssicherung unerlässlich, einen drohenden Bore-out rechtzeitig gezielt zu bekämpfen – sei es durch neue Perspektiven beim derzeitigen Arbeitgeber oder durch einen mutigen Wechsel zu einem neuen.

Der erste wichtige Schritt dazu liegt darin, sich die eigenen Stärken wieder bewusst zu machen. Dazu Mihaly Csikszentmihalyi in seinem Buch „Flow im Beruf“:

„Um ein Leben lang glücklich zu sein, muss man sich zunächst um Selbsterkenntnis bemühen. Wenn man die eigenen Stärken und Schwächen kennt, wird man ein Gleichgewicht der Fähigkeiten und Handlungsanforderungen finden, das für ein flow-Erlebnis so entscheidend ist.“ (3)

 


(1) https://www.randstad.de/ueber-randstad/news/20180731/warum-wechseln-die-deutschen-den-job

(2) https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article182341254/Bore-out-Mit-Langeweile-im-Job-ist-nicht-zu-spassen.html?wtrid=onsite.onsitesearch

(3) Mihaly Csikszentmihalyi, FLOW IM BERUF, S. 32 f., Klett-Cotta, 2014

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