Charismatische Führungstärke durch Empathie statt Egomanie

Charismatische Führungstärke durch Empathie statt Egomanie

Das klassische Bild, das mit Führungstärke verbunden wird, ist das des durchmarschierenden Alleinherrschers und –entscheiders: entschlossen, rücksichtslos, egoman. Dabei ist längst bewiesen, dass das wichtigste Kriterium für eine effiziente Führung von Unternehmen und Mitarbeitern Empathie ist, also die Fähigkeit zum Zuhören und zur Zuwendung. Darin liegt der Schlüssel zu einem mitreißenden Charisma, das die erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten auszeichnet – in der Politik genauso wie in der Wirtschaft.

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Je stärker Führungskräfte unter Druck geraten, desto stärker tendieren sie zu einem Aktionismus, der von automatischen, oft unreflektierten  Entscheidungen geprägt ist. Diese kognitiven Kurzschlüsse sind gekennzeichnet durch übermäßige Vereinfachung, begrenztes Interesse an überraschenden Lösungen und eingefahrene Entscheidungsmechanismen. Für vertiefende, differenzierte Betrachtungen und Diskussionen fehlt in der Regel die Zeit im „power stress“, aber es fehlt auch der Wille, anderen Optionen Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das wäre aber notwendig, um auch unter Stress zu sicheren, abgewägten Entscheidungen zu kommen.

Dafür ist eine neue Kultivierung des Hinhörens notwendig. Zur“ Kunst des Zuhörens“ 3 Zitate aus dem gleichnamigen Buch von Francesc Torralba, promovierter Philosoph und Doktor der Theologie:

– „Wenn wir auf einen Menschen treffen, der zuhören kann, sind wir beglückt….Es ist die einzige Möglichkeit, Beziehungen erfolgreich zu gestalten…Zuhören bedeutet, dass wir den anderen bei uns aufnehmen.“

 

– „Zuhören bedeutet, sich dem anderen zuzuwenden und ihn zu respektieren.“

 

– „Zuhören ist die beständige Suche nach der Substanz des anderen. Sie ist unerlässlich für jeden Dialog.“

Ein solcher Dialog ist unerlässlich für die Entfaltung von Charisma, dem entscheidenden Erkennungszeichen überzeugender Führungspersönlichkeiten. Es stützt sich auf die 3 Kernelemente Präsenz, Macht und Wärme – so jedenfalls Olivia Fox Cobane, die an den Universitäten von Harvard, Yale, Stanford gelehrt hat und heute Topmanager der führenden US-amerikanischen Unternehmen coacht. In ihrem Buch „The Charisma Myth“[1] definiert sie die entscheidenden Eckpfeiler von Charisma wie folgt:

– Präsenz wird durch volle Aufmerksamkeit erzielt.

 

– Macht entsteht durch die Wahrnehmung als jemand, der Einfluss auf die Welt um einen herum nimmt.

 

– Wärme entfaltet sich durch die Eigenschaften wohlwollend, altruistisch, mitfühlend und unbedingt gewillt, einen positiven Einfluss auf die Welt zu nehmen.

Charisma ist also immer eine Beziehungskiste, die von Empathie geprägt ist. Das gilt sowohl für den permanenten Dialog mit der Zielgruppe (Mitarbeiter, Geschäftspartner, Wähler) als auch für den Stil der Machtausübung. Darüber hat Dacher Keltner, Professor für Psychologie an der Universität von California, Berkeley, und Mitbegründer der Coaching-Plattform „Greater Good In Action“, jahrzehntelange Studien betrieben, deren Ergebnisse er jetzt in seinem neuesten Buch „The Power Paradoxum“ publiziert hat. Seine wichtigsten Thesen[2]:

– Macht gestaltet sich über das, was andere über einen denken, denn das ist ausschlaggebend für ihre Bereitschaft, sich von jemandem beeinflussen zu lassen.

 

– Für eine nachhaltige Machtsicherung sind Freundlichkeit und Zugewandtheit zu anderen entscheidend; Machtmenschen sollten nie vergessen, dass es die anderen waren und sind, die ihnen Macht gegeben haben.

 

– Großzügigkeit, Dankbarkeit und Respekt sind die größten und effizientesten Entlohnungen. Denn Macht entfaltet sich am wirkungsvollsten, wenn sie andere aufwertet, würdigt und ebenfalls ermächtigt.

 


[1] Olivia Fox Cobane, THE CHARISMA MYTH, Penguin Group (2012)

[2] http://greatergood.berkeley.edu/article/item/how_to_find_your_power_avoid_abusing_it

[3] http://www.fulfillmentdaily.com/leaders-boost-effectiveness/

 

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