Wenn der Führungsstil zur Terrorgefahr wird. Und wie man sich dagegen wehrt.

Wenn der Führungsstil zur Terrorgefahr wird. Und wie man sich dagegen wehrt.

Trump macht gerade vor, wie man Menschen in Angst und Schrecken versetzt: provozierende Aufkündigung aller bisherigen Normen im Umgang miteinander, vulgäre Herabwürdigung von Untergebenen und Andersdenkenden, aggressive Fokussierung auf den eigenen bzw. nationalistischen Vorteil. Solche rücksichtslosen Kraftmeiereien sind aber auch in vielen Führungsetagen der Wirtschaft üblich und nicht selten der Grund für Kuschereien und Burnouts, die innovative und kreative Kräfte lähmen („Winterkorn-Syndrom“). Hier ein praktischer Tipp, wie man sich dagegen wehrt.

Vor etlichen Jahren habe ich für BBDO die Beratung für einen westfälischen Nahrungsmittelkonzern geleitet, der eigentlich für einen fairen Umgang mit Mitarbeitern und Lieferanten bekannt war …  bis urplötzlich ein neuer Marketing-Geschäftsführer auftauchte, der vorher in der Hundefutter-Sparte von Mars für einen aggressiven Wettbewerb der Mitarbeiter untereinander gedrillt worden war. Von da an wurde jedes Meeting mit den Produktgruppen und der Agentur zu einem Tribunal der Gehässigkeiten von oben nach unten: oben der selbsternannte Marketing-Guru, unten die „Versager“ des Produktmanagements, die sich von diesem Dauer-Terror nur sehr schwer wieder erholt haben.

Bedeutende Kampagnen oder erfolgreiche neue Produkte sind in dieser Zeit nicht entstanden – wie auch: die Energie wurden aufs tägliche Überleben konzentriert, für mutige Zukunftstrategien blieb da keine Kraft mehr. Das ist der höchste Preis des Mobbings von oben.

Auch ich blieb von diesen Angriffen nicht verschont, habe aber anders reagiert. Es passierte an einem Freitagmittag, an dem ich im Bielefelder Treppenhaus auf eine Gruppe von Geschäftsführern traf, darunter der besagte Meister der Herabwürdigung. Er beschimpfte mich spontan vor allen anderen wegen irgendwelcher Ablaufpannen (allesamt erfunden) und brüllte mich an, ich hätte „meinen Laden nicht im Griff“. Dann verschwand er in der Kantine.

Ich habe noch am selben Nachmittag im Sekretariat des Pöblers angerufen und einen „dringenden Termin“ für den nächsten Montagmorgen noch vor Arbeitsbeginn gemacht. Dafür bin ich zu sehr früher Stunde dorthin gefahren und habe dem Herrn vortragen, dass ich solche öffentlichen Anpöbelungen wie am Freitag nicht akzeptieren könne. Seine Antwort: „Sie wissen doch, dass ich mit meinen Leuten noch viel härter umspringe.“ Meine Antwort:

„Aber ich möchte das nicht.“

Danach rettete er sich in ein Meeting.

Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass er sich danach umgehend beim Agenturchef meldet und meine Ablösung fordert – so wie er das vorher schon mit anderen Kollegen gemacht hatte. Aber nein: kein Wort, weder an diesem Tag noch später, er ließ mich einfach in Ruhe. Das führte dazu, dass etliche Produktmanager Schutz bei mir suchten und mich baten, an ihrer Stelle vor ihrem Chefmonster zu präsentieren. Das habe ich vielfach getan – später haben sie sich dafür geschämt und sich gegen mich gewendet. Mein Fehler: ich hätte besser ihr Selbstbewusstsein fördern sollen statt ihnen die gefürchtete Herausforderung abzunehmen.

Die Karriere dieses Menschen-Schinders hat ca. 1 ½ Jahre nach seinem Einstieg in das Unternehmen ein äußerst unrühmliches Ende genommen: er wurde vom Personalchef „wie ein Hund vom Hof gejagt“ (so Bobachter der Szene) und danach nie wieder auf der nationalen oder internationalen Marketingszene gesichtet – ein Totalabsturz, der vielen den Glauben an die Gerechtigkeit und Anständigkeit im Umgang wieder zurückgegeben hat. Das sollte jedem brutalen Großmaul eine Lehre sein – auf der politischen Ebene genauso wie auf der wirtschaftlichen.

Learning: Mache Dich gerade und wehre Dich höchstpersönlich gegen aggressive Töne und Beleidigungen. Die selbstbewusste Formel lautet: „Ich möchte das nicht! Ich akzeptiere berechtigte Kritik, aber nur in einem sachlichen und respektvollen Ton. Basta.“

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