Ältere sind mental stärker als die jüngere Generation
Die Generation der Baby Boomers zwischen 55 und 75 Jahren ist geprägt durch ihr bahnbrechendes Engagement in jungen Jahren: für Bürgerrechte, gegen Rassismus, für die Gleichberechtigung der Frauen und selbstbestimmte Sexualität. Mit steigendem Alter ergeben sich neue Herausforderungen für dieses kämpferische Engagement: es geht darum, die negativen Assoziationen mit dem Begriff „Alter“ zu entkräften und statt dessen den Fokus auf mentale Stärke zu lenken. Und da haben die älteren einen klaren Vorteil gegenüber jüngeren Menschen.
Die HAVAS GROUP, ein weltweit tätiges Netzwerk von Agenturen für Marketing und Kommunikation, hat kürzlich eine internationale Studie zum Thema „Mental Health“ mit dem Subtitle „The Silent Pandemic and the Impossible Quest for Happiness“ durchgeführt.[1] Dieser Untertitel verrät bereits das wichtigste Ergebnis: mentale Probleme sind eine „stumme Pandemie“ und belasten das Streben nach persönlichem Glück.
Hier die interessantesten Ergebnisse der Studie:
Für rund 80 % aller Befragten ist mentale Gesundheit eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die wichtigsten Zeichen für mentale Probleme: Angstzuständen (75 %), Traurigkeit (66 %), Frustration und Hilflosigkeit (65 %), Stress (65 %), Wut (60 %).
Als wesentliche Gründe für mentale Probleme gelten die Tatsache, dass sich alles um Geld und Konsum dreht (60%), fehlende Interaktion mit vertrauten Personen (60 %), soziale Medien und digitale Abhängigkeit (56 %), Entfremdung von der Natur (50 %). Fazit: in dem Maße, in dem zwischenmenschliche Verhältnisse durch digitale Kommunikationsformate ersetzt werden, leidet die mentale Gesundheit.
Das ist einer der wesentlichen Gründe dafür, warum sich jeweils 60 % der älteren Baby Boomers und der jüngeren Generation Z[2] einig darin sind, dass die Jüngeren mental schwächer sind als die Älteren: schuld daran ist der Fokus auf digitale Medien zulasten echter menschlicher Beziehungen. Das belastet auch den Umgang mit mentalen Störungen: 57 % der Generation Z finden es schwer, mit Freunden, Verwandten oder Partner über mentale Probleme zu reden, aber nur 26 % der älteren Boomers verspüren diese Barriere.
Außerdem haben sich die Baby Boomers inzwischen deutlich stärker von gängigen Perfektionsidealen emanzipiert als die Jüngeren: das Statement „Leute, die sich selbst attraktiv finden, haben weniger mentale Probleme“ bejahen 45 % der Generation Z, aber nur noch 23 % der älteren Generation. Mentale Stärke ist also umso weniger von der äußeren Attraktivität abhängig je älter jemand ist.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die ältere Generation in Bezug auf ihre mentale Gesundheit zwei wesentliche Vorteile gegenüber der Generation Z hat: sie ist geübter im echten zwischenmenschlichen Austausch von Meinungen und Problemen, und sie lässt sich nicht mehr so stark von äußeren Attraktivitätserwartungen unter Druck setzen.
Das macht sie weniger empfänglich ist für obsessive Anti-Aging-Kampagnen, die sie zu Forever-Young-Utopien anstiften sollen. Stattdessen fokussiert sie sich auf das, was einem persönlich guttut, insbesondere auf die Pflege guter Beziehungen und einen offenen Austausch mit anderen. Analoges Socializing ist das, was Ältere besser können als digital geprägte Jüngere, und dieser Vorteil wird mit steigendem Alter immer wichtiger.
[1] HAVAS GROUP, Prosumer Report „Mental Health“ (www.havas.com/prosumer-reports)
[2] Generation Z = geboren zwischen 1998 und 2012 (= heute 13 bis 28 Jahre alt); sie sind mit digitalen Technologien und Medien aufgewachsen und ständig mit ihnen verbunden




